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GEDANKEN ZUM MÄRZ

Liebe Gläubige im Pfarrverband Ampfing,
das Kirchenjahr und die Liturgie leben zu einem großen Teil von Zeichen, Symbolen und Bildern. Mit Advent und Weihnachten verbinden wir den Adventskranz, Barbarazweige, den Hl. Nikolaus, Christbäume und die Krippe. Alles Symbole, die etwas Geborgenes haben, mit denen wir Kindheitserinnerungen verbinden und positiv besetzt sind, vielleicht aber auch schon etwas „abgenutzt“ wirken.
Die Fastenzeit und der Karfreitag sind von zwei Symbolen eingerahmt, die man außerhalb der Kirche nicht findet, die aber vielleicht gerade deshalb eine sehr starke Symbolkraft haben: das Aschenkreuz und die leeren Kirchen am Karfreitag.
Wir beginnen die Fastenzeit mit einem Ritus, der seinen Ursprung im alten Israel hat. Der Büßer musste ein Bußkleid anziehen und sich in die Asche setzen, daher kommt unser Aschekreuz. „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ ist ein Deutewort beim Auflegen des Aschekreuzes. Ein Satz, der in einer Zeit, in der sich viele wichtiger nehmen als sie sind wie ein nasser Waschlappen im Gesicht wirkt. Genau das soll er auch. Die Fastenzeit ruft uns auf uns zurückzunehmen, dort wo es nötig ist, wo Fehler gemacht wurden um Verzeihung zu bitten und auch Buße zu tun. Diese Zeit macht uns bewusst, dass wir Teil der Welt sind, aber nicht Beherrscher und das wir einmal Rechenschaft ablegen müssen für unser Handeln. Diesen Gedanken greift auch der zweite Satz auf, der bei der Aschenauflegung verwendet werden kann: „Kehr um und glaube an das Evangelium“. Überprüfe dein Leben, sei ehrlich mit dir selbst und kehre auf den Weg des Evangeliums zurück. Angesichts vieler Skandale und lähmender Missbrauchsaufarbeitung möchte man diese beiden Sätze auch der Kirche insgesamt ins Stammbuch schreiben.
Wer am Karfreitag die Kirchen besucht, findet einen leeren, entkleideten Kirchenraum vor: kein Schmuck, blanke Altäre, ein leerer Tabernakel, bei dem die Türen offenstehen. Christus ist aus seiner Kirche ausgezogen, einzig das Kreuz mit zwei Leuchtern steht in der Mitte, wie am Karfreitag auf Golgotha. Das symbolisiert Gottesferne, ja Gottesfinsternis. So empfinden auch viele Menschen unsere Zeit, die von Krisen, Kriegen und Unglücken vielfach gekennzeichnet ist. Gott scheint die Welt sich selbst zu überlassen. Aber ist das wirklich so? Ist es nicht vielmehr der Mensch, der Gott verlassen hat, weil er meint, selbst Gott zu sein oder zu spielen. Der meint alles besser zu wissen und Gott nicht mehr braucht. Das Ergebnis solch einer Einstellung können wir überall auf der Welt sehen. Umso wichtiger ist es für uns als Christen Gott wieder sichtbar zu machen, ihn wieder in die Welt zu holen, das Reich Gottes aufzurichten. Christus ist auch nicht gekommen, um die Hände in den Schoß zu legen, sondern er hat gehandelt: durch sein Leben, seine Predigt, seine Taten. Jeder, der freudig, beherzt, konsequent und einladend sein Christsein lebt, trägt das Licht der Auferstehung in die Welt. Jeder Christ ist aufgerufen aus dem Karfreitag Ostern werden zu lassen.
Fangen wir einfach damit an, nachdem wir das Aschkreuz empfangen haben.

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Florian Regner